SCHLUSS MIT DEM GEJAMMER!

WIR KREMPELN DIE ÄRMEL HOCH.

DIE EINZIG RICHTIGE NORMALITÄT NACH DEM ENDE DES CORONA-REGIMES BAUEN WIR SELBST

Hermann Ploppa
24. Juli 2020 , No° 13

Eine Rückkehr zur alten Normalität bekommen wir nur, wenn wir schön artig sind und uns von Onkel Bill Gates impfen lassen, sagt Mutti. Vorher nicht. Und wer sich nicht impfen lässt, muss dann leider auf Bürger- und Menschenrechte verzichten.

Aber, wenn wir nun gar nicht mehr zur alten Normalität zurückkehren wollen? Zur alten Normalität der Versklavung von Menschen als Niedriglohnarbeiter, rechtlose Scheinselbständige oder Sozialhilfe-Aufstocker? Zur guten alten Normalität des einprogrammierten Burnouts hochbegabter Menschen im Sozial- und Gesundheitsbereich? Zur guten alten Normalität: wenn wir ein Anliegen haben, am Telefon statt eines Menschen nur schlechte synthetische Musik zum Abwimmeln serviert zu bekommen?

Nein, Frau Merkel. Nein, Ihr scheinheiligen superreichen Steuerdiebe. Nein, Ihr Bücklinge von der Hofberichterstattungspresse. 

Hier, zum Mitschreiben: Wir wollen nicht vorwärts in eure trostlose Alptraum-Normalität der Bioroboter hineingeschubst werden. Wir wollen lieber vorwärts in eine neue Normalität, und die entwickeln wir selber. Ihr hämmert uns zwar immer wieder unermüdlich ein, es gäbe zu eurem marktradikalen Mitternachtsspuk keine Alternative. »There is no alternative!«, näselte dereinst die englische Eiserne Lady Maggie Thatcher. Es gibt keine Alternative. 

Wirklich? Bevor Ihr unsere Welt so gleichermaßen skrupellos wie dement aus dem Takt gebracht habt mit euren Privatisierungen (privat kommt von lateinisch: privare, das heißt: rauben!), ließ sich schon alles recht gut an. Zumindest bei uns in Deutschland, in der Schweiz, in Österreich, in Unruguay oder in Skandinavien. Der Staat sorgte dafür, dass profitorientierte Wirtschaft sich nur dort austoben durfte, wo für die Allgemeinheit kein allzu großer Schaden entstand. Alle wichtigen Dinge, also: öffentliche Infrastruktur, Gesundheit, Daseinsvorsorge, wurden von Genossenschaften oder öffentlich-rechtlichen Einrichtungen durchgeführt. 

Damit das Geld, das in der Region generiert wurde, auch wieder in der Region den Menschen zugutekam, wurde es von öffentlichen (und seriösesn) Sparkassen und Volksbanken verwaltet. So konnte sich in Deutschland bis zum Ausbruch des Corona-Regimes ein starker gewerblicher Mittelstand halten. Wirtschaft von Menschen für Menschen.

Vieles von dieser segensreichen Konstruktion ist immer noch da und kann ohne größeren Aufwand wieder in Stand gesetzt werden. Wir müssen es nur politisch wollen. Zudem haben sich weltweit viele Initiativen für eine solidarische Wirtschaft herausgebildet, an die wir andocken können. Deutschland hat das Zeug, zum Vorreiter der solidarischen Ökonomie zu werden! Schon jetzt haben sich weltweit 800 Millionen Menschen aus dem Hamsterrad des Marktradikalismus befreit und arbeiten in Genossenschaften. Wir können voneinander lernen. Wir haben einen Traum, der wirklich ist.

Was muss für die Verwirklichung dieser Vision getan werden?

• Wissenstransfer: Es gibt unzählige zukunftsweisende Projekte in Deutschland. Was fehlt: die Erkenntnisse aus einem Projekt in andere Regionen zu kommunizieren, zu schauen, was lässt sich verallgemeinern.

• Mediale Vermittlung: Viele gute Ideen versanden, weil keine journalistisch befähigten Menschen dafür bezahlt werden, der Öffentlichkeit mitzuteilen, was sich an interessanten Innovationen zum Nutzen der Allgemeinheit entwickelt hat.

• Wir brauchen außeruniversitäre Bildungseinrichtungen. Zumindest solange, bis die Universitäten wieder in der Hand des Volkes sind. Wir brauchen Denkfabriken.

Bleibt die Frage, wie man diese Aufgaben anpackt.

Das Potenzial für eine bessere Welt ist allemal vorhanden. In Deutschland engagieren sich 23 Millionen Menschen ehrenamtlich für das Gemeinwohl. Wir haben kaum Geld; aber diese unendlich wertvolle Ressource der Hilfsbereitschaft. Diese Potenziale können wir nutzen. Kleinvieh macht auch Mist. Es gibt das Modell des Crowdfunding.

Trotz der Drittmittelprostitution der Hochschulen gibt es nach wie vor viele Professoren und Studenten, die gerne an sozialen Innovationen forschen möchten. Das energieautarke Dorf Jühnde wird wissenschaftlich begleitet von der Universität Göttingen. Es fehlt jetzt eine Stiftung, die diese Pioniererfahrungen verallgemeinert und an andere interessierte Gemeinden in Deutschland weitergibt. Das könnten wirklich gemeinnützige Stiftungen leisten.

Die Gebetsmühle beinahe aller Ökonomen – auch der Keynesianer – sowie der meisten Medienorgane leiert wie folgt: Unsere Wirtschaft braucht Wachstum. Um jeden Preis. Denn jeder Organismus, der nicht mehr wächst, stirbt ab, so wird gesagt. Es gab bis jetzt nur vereinzelte Bemühungen zur Erarbeitung von Konzepten einer Wirtschaft ohne zwanghaftes Wachstum. Zusammenhängende globale Alternativmodelle zum Wachstumsdogma blieben auf Expertenzirkel beschränkt. Dabei ist nicht zu übersehen: Die Ressourcen sind begrenzt. Wir wachsen uns zu Tode.

Doch jetzt keimt in Europa ein Gedanke heran, der das Wachstumsdiktat nicht mehr länger hinnimmt. Decroisser oder englisch: Degrowth. Gemeint ist: wir arbeiten an Wirtschaftsformen, die nicht zwingend auf Wachstum angewiesen sind. Die Genossenschaft ist eine solche Wirtschaftsform ohne Wachstumszwang. Oder auch das Teilen von Gütern und Dienstleistungen, ohne dass man gleich zahlendes Mitglied eines Vereins sein muss. 

Gegen das Übel der Wegwerfgesellschaft gibt es in immer mehr Orten so genannte Repair-Cafés. Dort kann man mit seinem kaputten Radio hingehen und dann unter Anleitung erfahrener Handwerker lernen, wie man sein Elektrogerät wieder repariert. An anderen Orten wird mit Regionalgeldexperimentiert. Manche Initiativen sind noch radikaler. Die Schenker-Bewegung steigt völlig aus der Geldwirtschaft aus und schenkt sich gegenseitig etwas. Und so gibt es unzählige coole Ideen für eine wirklich nachhaltige Wirtschaft. Was fehlt, ist die Übermittlung dieses wertvollen Wissens an die Allgemeinheit.

Das Rad muss nicht neu erfunden werden. Seien wir stolz auf unsere dreigeteilte Wirtschaft in Deutschland, mit der wir so gut durch die letzten Wirtschafts- und Finanzkrisen gekommen sind! Unsere Genossenschaften und öffentlich-rechtlichen Wirtschaftsbetriebe sind keine langweiligen Gummibaumkulturen. Sie sind das Beste, das wir in Deutschland haben. Wenn wir Mitglied in einer Genossenschaftsbank sind: Besuchen wir einfach die Genossenschaftsversammlungen!

Vermitteln wir den Verwaltern der solidarischen Banken das Gefühl, dass sie beobachtet werden und dass sie sich nicht einfach von marktradikalen Ideologen einwickeln lassen dürfen! Erinnern Sie die Sparkassenfunktionäre daran, für wen sie eigentlich arbeiten sollen! Nämlich für UNS! Nerven wir marktradikal gepolte Sparkassendirektoren mit klugen Fragen! Schaffen wir Öffentlichkeit!

Genossenschaften sind das Modell der Zukunft und der perfekte Ausweg aus der Profitgier. Das Ziel der Genossenschaft ist Zufriedenheit. Zufriedenheit der Mitarbeiter, Zufriedenheit der Kunden, Zufriedenheit der Genossen. Genossenschaften sind kein Randphänomen. Die Schweiz ist ein Genossenschaftsstaat, das sagt schon der Name: Eid-Genossenschaft.

Wir dürfen nicht länger alleine vor uns hin wursteln. Bilden wir mit vier oder fünf anderen Freunden oder Bekannten oder Nachbarn eine »subversive« Zelle und sprechen wir uns einmal darüber aus, was uns bedrückt, und versuchen dann, gemeinsam zu verstehen, was eigentlich abgeht um uns herum.

Befreit von der Gehirnwäsche werden wir sodann die Armseligkeit des marktradikalen Geplärres durchschauen. »Das Leben i s t kein Ponyhof«, h ö r t e ich einmal e i n e marktradikale Brillen - schlange schwadronieren. Da kann ich nur sagen: doch! Das Leben muss ein Ponyhof sein, sonst ist es nicht wert, gelebt zu werden. Wir arbeiten, um zu leben, und nicht umgekehrt: Wir leben nicht, um uns zu verbrennen für die ergaunerten Profite von Steuerdieben.