»WENN DIE WISSENSCHAFT UNTERDRÜCKT WIRD, STERBEN DIE MENSCHEN«

Angesehenstes britisches Wissenschaftsmagazin geißelt Regierung.

Hermann Ploppa
20. Nov. 2020 , No° 27

Das British Medical Journal (BMJ) ist seit 150 Jahren eine feste Institution im britischen Wissenschaftsbetrieb.

Artikel mit hohem Qualitätsanspruch für eine kleine aber feine Gemeinde von hochrangigen Wissenschaftlern. Alle Worte sind auf der Goldwaage für ausgewogen befunden und dann erst veröffentlicht worden. Da ist es schon bemerkenswert, wenn BMJ-Chefredakteur Kamram Abbasi in der aktuellen Ausgabe mit harten Formulierungen die britische Regierung von Premierminister Boris Johnson aufs Korn nimmt. Tenor: Politiker und Regierungen unterdrücken die Wissenschaft. 

Es ist davon auszugehen, dass die Regierung und das britische Gesundheitsamt immer wieder Wissenschaftler daran hindern, unbequeme Wahrheiten zu veröffentlichen. So werden Textpassagen zurückgehalten, in denen die eklatante Benachteiligung der sozial Schwachen, besonders der Immigranten, angeklagt wird. Besonders im Blickpunkt: Die Operation Moonshot der britischen Regierung. Wir kennen das Problem aus Deutschland: jetzt sollen ganz schnell und dabei natürlich supergenau PCRund Antikörpertests aus dem Hut gezaubert werden. Und dann kommen »suboptimale« Produkte dabei heraus, vorab schon mal in Liverpool in Massentests erprobt. BMJ fand heraus, dass die von der Regierung bevorzugten Produkte nicht das hielten, was die Hersteller versprachen. 

Doch Artikel zu diesem Thema und andere wissenschaftliche Aufsätze sollten nicht erscheinen, bevor die Regierung eine Million Tests von einer ganz bestimmten Firma aufgekauft hatte. Die unbestechlichen Wissenschaftler wollten nicht länger für sich behalten, dass maßgebliche Berater der Regierung nicht dem Gemeinwohl verpflichtet, sondern nachweislich in geschäftliche Interessen verwickelt sind: »Regierungsberater sind imstande, wissenschaftliche Befunde zu ignorieren (...) und den Wettbewerb auszuschalten, um die eigenen Produkte und die ihrer Freunde und Gesellschafter zu bevorzugen.«

Schlussfolgerung British Medical Journal: »Politisierung der Wissenschaft wurde mit Inbrunst von einigen der schlimmsten Autokraten und Diktatoren eingesetzt, und jetzt hält so etwas ganz selbstverständlich Einzug auch in demokratischen Gesellschaften. Der medizinisch-politische Komplex neigt zur Unterdrückung der Wissenschaft, um jene stark zu machen und zu bereichern, die an der Macht sind. Und je erfolgreicher die Mächtigen werden, und je weiter von der Macht korrumpiert sind, umso ausgreifender werden die unbequemen Wahrheiten der Wissenschaft unterdrückt. Wenn gute Wissenschaft unterdrückt wird, sterben die Menschen.«