Ganz locker auf Tüchern

Hermann Ploppa
30. Apr. 2020 , No° 3

Die Kundgebung auf dem Marburger Marktplatz am 25.4.2020, 15:30 bis 16:30 Uhr war beim Ordnungsamt angemeldet worden. Dafür gab es drei Tage vorher ein Gespräch beim Ordnungsamt, bei dem ein Herr vom Ordnungsamt, ein Polizeibeamter und ein Herr vom Staatsschutz teilnahmen. Heraus kam eine vierseitige Übereinkunft. Inhalt: wir dürfen auf dem Marktplatz stehen, maximal 50 Personen, 1.50 Meter Abstand zueinander, und wir müssen etwas vor den Mund nehmen (Maske, Tuch, Schal, egal).

Es versammelten sich dann 40 Personen unter diesen Bedingungen auf dem Marktplatz. Etliche Leute blieben außen vor, die keine Maske tragen wollten. Das sieht dann natürlich etwas verloren aus: ein Platz, auf dem über tausend Leute Platz finden könnten. Weil die Teilnehmer sich aber ganz locker auf Tüchern auf den Boden lagerten, sah das Ganze eher wie ein Picknick aus.

Drei sehr packende Reden wurden gehalten und dann gab es ein offenes Mikrophon. Zwei Teilnehmerinnen sind in der DDR aufgewachsen und betonten, dass sie nicht aus der DDR geflüchtet seien, um jetzt eine »DDR-2.0« erleben zu müssen. Da so langsam die Leute wieder durch die Innenstadt flanieren, blieben viele Passanten lange Zeit stehen und hörten sehr interessiert zu. Das lag daran, dass bei uns keine politischen Phrasen gedroschen wurden, sondern sehr anschaulich die Gefahren für den gewerblichen Mittelstand sowie genossenschaftliche und öffentlich-rechtliche Strukturen durch den Shutdown beschrieben wurden.

Die örtliche Monopol-Tageszeitung schrieb am folgenden Montag von einem Redner (Hermann Ploppa), der bei einem »verschwörungstheoretischen Medium« (KenFM) publizieren würde. Der Protest der Leser dieser Monopolzeitung war so heftig, dass die Kommentarfunktion nach einigen Stunden geschlossen wurde. Die Teilnehmer waren bisher nicht politisch aktiv. Sie wurden durch das bundesweite Kafka-Theater zwangspolitisiert. Wir kommen wieder – am folgenden Samstag.


Kontakt: Hermann Ploppa liepsenverlag@gmail.com