WIR ÜBERNEHMEN DIE MACHT!

Berichte von TeilnehmerInnen der Massendemonstration »Das Ende der Pandemie« und dem Verfassungsspaziergang von Nicht ohne uns!

07. Aug. 2020 , No° 15

Am Freitag, 31. Juli, bildete diese Wochenzeitung den Auftakt zum Großen Augustwochenende. Nach Reden vor dem Bundestag führte der Zug am Alexanderplatz entlang (Foto) zum Rosa-Luxemburg-Platz. Schikanen des Innensenators Geisel (SPD) wurde mit der Zeitung als Mundschutz begegnet.


© Foto: DW
BERICHT EHEPAAR BRAND:

Wir sind das Ehepaar Brand aus Franken. Wir sind beide Anfang 50 und arbeiten als Kranken- schwester und Busfahrer. Wir wuchsen in Sachsen-Anhalt auf, lernten uns dort kennen und zogen 2000 nach Bayern.

Seit ungefähr zwei Jahren fällt uns die einseitige Berichterstattung der Öffentlich-Unrechtlichen übel auf. Es erinnert sehr stark an die Hofberichterstattung der Aktuellen Kamera aus der DDR kurz vor Schluss. Einzige Alternative, um uns zu informieren, ist heute das Internet. Für uns erreichten die Lügen, die Einseitigkeit und die bewusste Diffa- mierung anderer Meinungen durch die Mainstream-Medien ihren Höhepunkt vor und während der Coronakrise. Hier herrscht eine fehlerhafte und korrupte Informationspolitik, die ausschließlich vorgefasste Meinungen vermittelt. Co- rona war der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen gebracht hat.

Das Schlimmste während Corona war für uns, zu sehen, wie unsere Kinder litten. Sie durften nicht in die Schule, durften ihre Freunde nicht sehen und mussten den Frühling und Sommer im Haus verbringen. Wir wollen uns nicht ausmalen, wie es ist, wenn man in einer kleinen Mietwohnung festsitzt — was in Deutschland ja die Regel ist. Innerhalb der Familie wurden wir beschimpft, Freundeskreise zerbrachen, auch auf Arbeit wurde uns der Mund verboten. Wir entschieden uns, an der Demons- tration vergangenen Samstag teilzu- nehmen. Wir sind absolut keine Demo- gänger, das war unsere erste überhaupt. Selbst 1989 erlebten wir mehr vom Rande her. Es gab sehr viele Internet- aufrufe, auch von Leuten, die wir per- sönlich kannten.

Die Ankunft am Brandenburger Tor übertraf alles, was man sich hätte vor- stellen können. So viele Menschen! Seit Wochen war es der erste freie Moment, an dem wir zu uns und unseren Mei- nungen stehen durften. Erstmalig war wieder eine politische Diskussion ohne Vorurteile und Meinungsverbot mög- lich. Endlich konnten wir schreien und pfeifen und waren dabei unter Freun- den. Und das Beste: Endlich mal keine Masken weit und breit. Endlich konnten wir wieder Gesichter erkennen, Lächeln wahrnehmen. Es war wunderschön! Wir waren alle müde und es war schwei- neheiß! Aber wir teilten uns Wasser, ka- men ins Gespräch und erlebten einen ersten Tag ganz ohne Vorurteile! Auch die Polizei konnte uns nicht veranlassen, zu gehen. Wir alle teilten ein ge- meinsames Ziel: Eine neue Regierung, ein Ende der Coronaschikanen und eine neue Verfassung! Endlich war es möglich, trotz unterschiedlicher Ein- stellungen im Detail, uns auf einen ge-meinsamen Nenner zu besinnen. Das ist Demokratie! Wir stehen zusammen, um das Terrorregime zu beenden — was danach kommt, lösen wir in Wahlen und Absprachen.



BERICHT EVA HUBER: 

Mein Name ist Eva Huber, ich bin freie Fotodesignerin und Web- und Medieninformatikerin. Meine Motivation an der Demo teilzunehmen hat Bertold Brecht am besten ausgedrückt: »Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.«

Ich war mein Leben lang an Poli- tik nicht interessiert, aber nun richtet das Verhalten unserer Regierung so enormen Schaden an und geht gegen jede Ethik und Moral. Das kann ich so nicht mehr mit meinem Gewissen vereinba- ren und untätig zuzuschauen. Ich habe die Demo als wunderbaren, ermutigenden, fröhlichen, an- strengenden, kommunikativen und zutiefst friedlichen Meilen- stein in der deutschen Geschich- te erlebt. Es war eine nicht enden wollende Masse aus gelassenen, sympathischen, engagierten und interessierten Menschen aus al- len Bevölkerungsschichten. Ein großer Dank aus tiefstem Herzen an die mutigen Veranstalter!



BERICHT UTE FEUERSTACKE:

Ich bin Ute, 53 Jahre, arbeite als Designerin. Durch Corona konnte ich meinen Beruf nicht mehr ausüben. Ich sehe absolut keinen Grund, finde weder Krankheit, noch Krieg oder sonstige Ausnahmezustände im Lande, die rechtfertigen würden, uns unsere Grundrechte zu nehmen! Wir brauchen einen neuen, vernünftigen und verantwortungsvollen Umgang untereinander als Gemeinschaft! Deshalb war ich Samstag auf der Großdemonstration. Anfangs habe ich die Parade am Rande für zirka zweieinhalb Stunden beobachtet. Da zogen ungefähr drei Viertel der Masse an mir und meinem Partner vorbei. Dann bin ich mitgelaufen. Habe daraufhin die Anzahl der Menschen auf einem Stück Straße ge- zählt und mit der Länge des Zuges 7km, multipliziert. So kam ich großzügig gerechnet auf 200.000 Menschen. Als ich an der Bühne von hinten ankam, stellte ich fest, dass schon viele warteten. Da ich von 1992-1998 an jeder Loveparade teilnahm, kann ich die Menge sehr gut einschätzen und würde sagen, dass mindestens 350.000 Menschen auf der Straße bis zum Brandenburger Tor demonstrieten. Die bestätigten auch alt eingesessene Kioskbesitzer im Umfeld. Diese sprachen sogar es waren knapp 1.000.000 Teilnehmern.



BERICHT CHRIS: 

Mein Name ist Chris und bin auch bekannt unter dem Pseudonym »Laser Lurch«, das ich für meine künstlerischen Arbeiten verwende.

Seit Beginn der Corona-Maßnahmen-Krise zeichne ich kritische Karikaturen zu den aktuellen Geschehnissen. Ich habe aber auch einen »normalen« Bürojob. Seit der dritten »Hygiene-De- mo« am Rosa-Luxemburg-Platz in Ber- lin unterstütze ich die Revolution. So war es für mich selbstverständlich, auch zum »Tag der Freiheit« am 1. August teilzunehmen.

Ich war komplett überwältigt von der Masse an Menschen. Es war eine un- glaublich ausgelassene und friedliche Atmosphäre, kein reines Freudenfest. Durch die vielen Transparente und Re- den wurde auch die Ernsthaftigkeit der Lage deutlich gemacht.

Einige Demokraten wurden unruhig, als die Veranstaltung durch die Polizei aufgelöst werden sollte. Vereinzelt ver- ließen die Menschen die Kundgebung - die meisten stellten sich jedoch fried- lich und entschlossen der staatlichen Willkür entgegen. Mehr denn je wurde deutlich, welche Macht wir Bürgerin- nen und Bürger besitzen. Wir sind derSouverän. Ich hoffe das sich uns immer mehr Menschen anschließen und die friedliche Revolution vorantreiben. Wir übernehmen die Macht!