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Nicht mehr »Corona« sondern »Putin«

Von Martin Lichtmesz

Es ist Ende Oktober 2022, und in den öffentlichen Verkehrsmitteln Wiens gilt immer noch die »Maskenpflicht«, im Gegensatz zum Rest des Landes, wo sie seit 1. Juni weitgehend ausgesetzt wurde.

Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) ist stolz auf diesen tapferen Alleingang, den er den »Wiener Weg« nennt. Eine skurrile Folge davon ist, dass man in der Bahn von Niederösterreich nach Wien per Durchsage daran erinnert wird, dass ab der Stadtgrenze die Maskenpflicht gilt und man sich entsprechend zu verhalten habe. In manchen Wiener Linien ertönt in jeder Station von Neuem die weibliche Lautsprecherstimme aus der Tonkonserve: »Liebe Fahrgäste! Bedecken Sie Mund und Nase mit einer FFP2-Maske!« Ein »Bitte« hinzuzufügen, hat man offenbar nicht für notwendig gehalten.

»VON MAULKORBGESICHTERN ANGEGLOTZT«

Dieses gebetsmühlenartige, an eine Gehirnwäsche erinnernde Mantra, wird anschließend auf Englisch und seit einiger Zeit auch auf Ukrainisch und in anderen Sprachen wiederholt. Der Denk- und Verhaltenssteuerung dienen auch die Bildschirme in den Wiener Straßenbahnen, die pausenlos die Propaganda du jour in die Köpfe der Fahrgäste gießen. Die »Bims« selbst werden seit geraumer Zeit zu fahrenden ideologischen Werbeflächen gestaltet, bemalt in den ukrainischen Landesfarben, beflaggt mit Regenbogenfahnen oder beschriftet mit Impfaufforderungen.

Besucher aus anderen Bundesländern, die bereits fast vollständig zur Normalität zurückgekehrt sind, sind oft überrascht, dass sie in Wien weiterhin von normierten Maulkorbgesichtern angeglotzt werden. Das Covid-Regime hat in der Hauptstadt wie in einem Biotop oder Naturschutzpark überlebt. Allerdings ist auch die öffentliche Nötigung schwächer geworden. Kontrolleure tauchen nur mehr selten auf, und seit etwa zwei Monaten haben angesichts der steigenden Zahl von Maskenfreien auch die selbsternannten Blockwarte kapituliert. Dieser Typus ist nämlich notorisch feige: Es genügen lediglich zwei, drei Personen ohne Gesichtskübel pro Abteil, und sie wagen es nicht mehr, den Mund aufzumachen.

Wenn man heute in Wien mit der Straßenbahn, dem Bus oder der U-Bahn unterwegs ist, dann findet sich in der Regel immer mindestens eine Person, die »verweigert«, entweder durch loses Tragen oder komplette Abwesenheit des »Mund-Nasen-Schutzes«. Zu späteren Tageszeiten sind es bereits etliche mehr, vor allem Jugendliche, die häufig maskenfrei in Gruppen beisammen stehen, einheimische ebenso wie migrantische. Trotz allem ist das Ausmaß des Mitläufertums und der passiven Fügung immer noch erschrekkend hoch. Es scheint eine resignierte Gewöhnung eingesetzt zu haben. Man tut stumpf,waseinemgesagtwird.

MORALISCHES STATUSSYMBOL

Tatsächliche Angst vor dem Virus scheinen indes nur noch wenige zu haben, denn dort, wo man die Maske nicht mehr tragen muss, trägt sie fast niemand mehr. Auch ihre Signalwirkung als moralisches Statussymbol hat an Aussagekraft eingebüßt. Ob es tatsächlich epidemiologisch wirksam ist, das Ding nur selektiv in Öffis, Amtsgebäuden, Apotheken oder Arztpraxen zu tragen, während es in Supermärkten, Restaurants, Bäckereien, Bars, Discos, Cafés, Konzertsälen, Veranstaltungshallen, Fußballplätzen, Bädern, Geschäften, Schulen und anderen Orten, an denen sich Menschen massenhaft versammeln, nicht mehr vorgeschrieben ist – danach fragt schon niemand mehr, ganz zu schweigen nach der Verhältnismäßigkeit des Aufwands.

Man hat sich damit abgefunden, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und das Theater mitzuspielen, das von Anfang an eher Abwehrzaubern oder neurotischen Zwangsritualen statt ernsthaften medizinischen Interventionen geglichen hat. Darüber nachzudenken, ob das noch irgendeinen nachvollziehbaren und logischen Sinn hat, was man zu tun genötigt wird, ist anstrengend und kompliziert. Die »Experten und Expertinnen« werden schon wissen, was sie tun! Einen handfesten Beweis, dass die Maskenpflicht einen nennenswerten Eindämmungseffekt gehabt hätte, konnten sie immer noch nicht liefern, obwohl sie hartnäckig das Gegenteil behaupten, und zwar bloß behaupten. Behörden, Institutionen, Ämtern, Individuen, deren Bedeutung und Aktivismus durch »Corona« gemehrt wurde, fällt es schwer, ihren Sinnstifter »Pandemie« loszulassen; in der Tat hängen viele ihrer Manager, Profiteure, Problemlöser und Hysteriker an ihr wie hungrige Hunde an einem Knochen. Auf diese Weise ist »Corona« zum bürokratischen Selbstläufer geworden, dem der einzelne Bürger praktisch ohnmächtig gegenübersteht.

Als der Herbst herannahte, stellte sich auch in Österreich die Frage, ob Regierung und Medienchor den gleichen Zirkus wie in den beiden Vorjahren wiederholen würden, der darin besteht, Panik vor »steigenden Zahlen« zu schüren, auf die angeblich zwangsläufig mit den üblichen nutzlosen »Maßnahmen« geantwortet werden muss. Die erste Entwarnung kam zu Schulbeginn, als beschlossen wurde, dass Schulkinder bundesweit keine Tests mehr machen und keine Masken mehr tragen müssen. Die zweite Entwarnung kam am 19. Oktober, als Gesundheitsminister Johannes Rauch verkündete, es bestehe »keine Notwendigkeit« für strengere Maßnahmen, also etwa die Wiedereinführung der bundesweiten Maskenpflicht in Öffis und Supermärkten. Darauf erfolgte großes Heulen und Zähneknirschen aus den Reihen einer weiteren Schicht, die von »Corona« keinen Abschied nehmen will, den staatsnahen »Kulturschaffenden« und »Intellektuellen«, von denen stellvertretend die Schriftstellerin Julya Rabinowich zitiert sei, die am 20. Oktober auf Twitter schrieb: »Danke für das auf Schwächere defäkieren. Danke für Rücksichtslosigkeit. Danke fürs Ignorieren der ÄrztInnen und WissenschaftlerInnen.«

Rauch hat sich also bislang einigermaßen wohltuend von seinem deutschen Pendant Lauterbach unterschieden, indem er zumindest keine Ambitionen zeigte, sich auf Teufelkommraus an »die Pandemie« zu klammern. Seine Strategie scheint vielmehr zu sein, sie langsam ausblenden zu lassen, sodass die Regierung ihr Gesicht wahren kann. So wurde schon Ende Juli die Quarantäne für »positiv Getestete« abgeschafft, sofern sie »symptomfrei« seien, und Mitte Oktober kritisierte Rauch das »Starren auf steigende Coronazahlen«: »Man müsse auch die Situation in den Spitälern bei der Entscheidung über Corona-Maßnahmen mit einberechnen, hieß es. Und die sei derzeit noch nicht beunruhigend. Die Abwassertests in Österreich würden belegen, dass bei den Coronazahlen eine ›Plafondbildung‹ stattfinde. Rauch bemerke eine ›beruhigende Tendenz‹« (heute.at, 12. Oktober 2022).

So wird langsam das Feld geräumt, während das Gesamtnarrativ wie eine immer dünner werdende Hülle unangetastet bleibt oder zumindest nur sehr behutsam und heimlich korrigiert wird. Das birgt freilich das Risiko, dass die Maschinerie erneut in Gang kommen kann, »sollten die Experten Alarm schlagen« (Kleine Zeitung, 5. Oktober 2022). Der nicht nur für die österreichische Regierung peinlichste Teil am Narrativ ist die »Impfung«. Wir erinnern uns nur zu gut an die bedrückende Hysterie, die Ende Oktober letzten Jahres zu steigen begann und die Ende November in einem spalteri- schen, absurden »Lockdown für Ungeimpf- te« und in der Ankündigung einer allge- meinen Impfpflicht kulminierte. Zu diesem Zeitpunkt erschien die Gefahr einer nach- haltig totalitären Entwicklung als äußerst real. Die Regierung drohte den Unwilligen mit hohen Geld- oder gar Haftstrafen.

DYSTOPISCH, ALPTRAUMHAFT, AUFGEHEIZT

Es wurde gezielt Angst geschürt und immen- ser psychologischer und materieller Druck gegen »Ungeimpfte« aufgebaut. Die Medi- en hatten jegliche Hemmungen verloren, große Teile der Bevölkerung schienen gren- zenlos manipulierbar. Die Atmosphäre im Land war dystopisch, alptraumhaft, ange- spannt, aufgeheizt, gehässig. Die Protes- te auf den Straßen Wiens erreichten einen nie zuvor dagewesenen Grad der Intensi- tät. Die Kavallerie kam bereits im Dezember in Form der »Omikron«-Variante, die sich sehr rasch ausbreitete; im Januar wurden in der Folge zehntausende Menschen in Öster- reich mit keinen oder nur sehr milden Sym- ptomen in die »Quarantäne« geschickt. Die »Absonderungsbescheide« trudelten dabei zuweilen erst Wochen nach dem amtlich beglaubigten »positiven Test« ein.

Ende Februar verdrängte der russisch-ukrainische Krieg die »Pandemie« abrupt aus den Schlagzeilen. Die neue große Gefahr hieß nicht mehr »Corona«, sondern »Putin«. Nach der Reihe verschwanden die diversen »G«-Regeln und schließlich auch die Maskenpflicht. Gleichzeitig wurde die Mas- sentesterei heruntergefahren. Bald kam auch der Anfang vom Ende der »Impfpflicht«: Im Januar verabschiedet, im Februar in Kraft getreten, bereits im März per Verordnung »ausgesetzt«, wurde sie schließlich im Juni des Jahres ersatzlos abgeschafft. Die Wal- purgisnacht war vorbei, aber der Spuk ging auf »sanftere« Art weiter.

Gespenstisch und geradezu anachronistisch, wie ein Relikt aus der Zeit der »G«-Regeln, wirkte die Werbekampagne »Gemeinsam Geimpft« der Bundesregierung, die zu Herbstbeginn lanciert wurde. In ganz Wien waren nun wieder Plakate zu sehen, in denen für die Covid-Impfung geworben wurde, einige davon von ausge- suchter Widerwärtigkeit: »Die beste Freundin treffen. Sicher!«, stand auf einem Plakat, illustriert mit zwei etwa achtjährigen Schulmädchen und einer lächelnden, dem Betrachter direkt ins Auge blickenden jungen Lehrerin. Ein anderes zeigte Jugendliche auf einem Pfadfinder-Camp: »Miteinander eine gute Zeit haben. Sicher!« Eine schwangere Frau, deren Bauch mit einem Ultraschallgerät abgetastet wird: »Für ein gutes Bauchgefühl sorgen!« Oder, besonders heuchlerisch, eine Szene in einer Arztpraxis: »Sich für alle Fragen Zeit nehmen«, unterstrichen mit dem freundlich-offenen Blick einer vor Vertrauenswürdigkeit aus allen Nähten platzenden Ärztin.

In der Welt dieser Werbeplakate gab es kein komplettes Versagen der Impfstoffe (gemes- sen an ihren Ansprüchen), ebenso wenig wie die noch ungezählten Legionen Impfgeschädigter, darunter viele Todesopfer. Sie wiederholten dieselben diskreditierenden Lügen, die vor einem Jahr Millionen an die vermeintlich rettende Nadel treiben sollten. Als wäre nichts geschehen und als ob er irgendetwas Signifikantes erreicht hätte, brüstete sich Bürgermeister Ludwig weiterhin damit, den »konsequenten härteren Weg gegangen« zu sein und empfahl den »Wiener*innen« sich ihre »Auffrischung« oder »Grundimmunisierung« zu holen, jetzt auch als »Kombi-Impfung gegen Influenza & Corona« (Twitter, 14. Oktober). »Die Pandemie ist nicht vorbei«, so Ludwig (Twitter, 13. Oktober), ohne anzugeben, anhand welcher Kriterien man denn erkennen könne, dass die »Pandemie« »vorbei« sei.

TRAURIGES ERBE

Am 25. Oktober meldete schließlich oe24, dass die »Corona-Herbstwelle« in Österreich »weiter abflaue«. Sowohl »die Neuinfektionen, als auch die Spitalspatienten und die Sieben-Tages-Inzidenz sinken weiter«. Der »Wiener Weg« wird dieses Wunder kaum bewirkt haben, denn im Bereich der »höchsten Sieben-Tage-Inzidenz« lag Wien zu diesem Zeitpunkt als einziges Bundes- land mit nennenswerten »Maßnahmen« auf dem Mittelwert von Platz sechs (von neun). Das Land mit der höchsten »Schutzrate« (so nennt man mittlerweile die Impfquote), Burgenland mit 65,5 Prozent, befand sich übrigens auf Platz 3. Wäre es nun nicht endlich an der Zeit, das müßige Spiel des »Infektionen«-Zählens zu beenden?

Am 5. Oktober musste auch der linksliberale Standard zugeben, dass nur mehr ein knappes »Fünftel aller Corona-positiven Fälle im Spital mit Covid-19-Symptomatik eingeliefert« werde, was bedeute, dass »beim überwiegenden Großteil der positiven Covid- Fälle in den Spitälern Corona ›nur‹ eine Nebendiagnose darstellt«. Nun: Wer das Pandemiemanagement von Anfang an kri- tisch verfolgt hat, weiß, dass es sich nicht erst seit diesem Jahr auf »gestreckte«, kontext- und bedeutungslose Zahlen berufen hat. So oder so operiert »Corona« in Österreich nur mehr im Zombiemodus, wird aufrechterhalten wie eine schlechte Gewohnheit, die man schon halb aufgegeben hat, von der man aber nicht so recht lassen will. Die Scharade wird sich vermutlich bald totgelaufen haben, und es wird angesichts der Energiekrise und der laufenden Inflation und Preisteuerung nicht mehr lange dauern, bis die Bevölkerung ganz andere Sorgen haben wird, als einen mittelmäßigen, grippeähnlichen Virus.

Andere, ebenfalls medial und politisch »gemachte« Ängste haben es in den Schat- ten gestellt: Angst vor »Putin«, vor dem »Klimawandel«, vor dem Atomkrieg, vor Hunger und Kälte im Winter, vor Bankrott und Arbeitslosigkeit. Was wohl nicht so schnell verschwinden wird, sind die Konditionierungen, die die Pandemiepolitik in den Köpfen hinterlassen hat, die Gewöhnung an einen manipulativen Herrschaftsstil, der die »Wahrheit« setzt, wie sie ihm gerade in den Kram passt, und die Beherrschten zu einem irrationalen Verhalten nötigt, das die wenigsten hinterfragen wollen und können. Dieses Erbe wird das eigentliche »Long Covid« sein.


Martin Lichtmesz, Jahrgang 1976, lebt in Wien und ist Schriftsteller, Journalist und Übersetzer. Zuletzt erschien sein Werk »Bevölkerungsaustausch und Great Reset«




Dieser Text erschien in Ausgabe N° 110 am 28. Okt. 2022




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