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Kommentar

Schröder-Bashing

Das Volk muss wieder abgelenkt und erneut auf Linie gebracht werden – das weiß auch Schröder. | Ein KOMMENTAR von Sophia-Maria Antonulas

Von Sophia-Maria Antonulas

Was haben Eva, Anne, Hiltrud und Dris gemeinsam? Sie alle waren mit Gerhard Schröder verheiratet. Bei seiner fünften Frau, Soyeon SchröderKim, ist der ExKanzler bisher noch nicht in Ungnade gefallen – zumindest nicht wegen seiner Beziehung zu Putin.



Ganz anders sehen das manche Gastwirte in Berlin, die Schröder nichts servieren wollen, weil eben Russland-Versteher oder so. Kurz zuvor wurden noch alle Ungeimpften diskriminiert, jetzt eben nur noch der Altkanzler. Auch aus den ehemaligen SPD-Parteifreunden sind binnen kürzester Zeit Parteifeinde geworden. So scheint es zumindest. Altkanzler-Bashing ist total angesagt.
1999 war das anders, als Schröder noch im Amt war. Damals vertrat er die Linie der amerikanischen Freunde und ihrer PR-Agenturen. Auch ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats war er dafür, dass die Nato und mit ihr die Deutche Luftwaffe Serbien bombardiert. Obwohl die angeblichen Menschenrechtsverbrechen der Serben im Kosovo gar nicht stattgefunden hatten und Schröder dies von den OSZE-Beobachtern vor Ort eigentlich wissen musste. Egal, Deutschland durfte im Auftrag der Nato wieder mehr Verantwortung übernehmen. Da kam jede Lüge recht, um das Volk auf Linie zu bringen. Und der damals eigentlich schon obsolete Nordatlantische Pakt war gerettet und kann sich seither als Retter der Menschheit darstellen.

»Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt«, so hieß die Kommission, die Schröder eingesetzt hatte, um in Deutschland die Agenda 2010 zu verwirklichen – eine weitere  Rettungsmaßnahme. Die war und ist den Gastwirten bestimmt nicht so verhasst – sind sie doch Nutznießer billiger Arbeitskräfte, auch »Hartz 4-Aufstocker« genannt. Und wieder konnte Gerhard Schröder Mut beweisen und unpopuläre Maßnahmen zum Wohle weniger durchbringen. Er entsprach damit ganz der damaligen Zeitenwende, der Wirtschaftsfreundlichkeit, der sich die Sozialdemokraten verschrieben hatten.


JEDER SPIELT
DAS SPIEL MIT


Schröder schlägt sich also immer wieder auf die Seite der Mächtigen. Aber wirklich – wer kann ihm das verübeln? Wer macht das nicht? Wer traut sich denn noch, im besten Deutschland aller Zeiten zu sagen, was er tatsächlich denkt? Vielen Menschen ist inzwischen klar, dass sie während der vergangenen zwei Jahre zutiefst in die Irre geführt wurden. Und
sie halten trotzdem den Mund – Kurzarbeit und sonstigen Unternehmenshilfen sei Dank. Aber jetzt beim Stichwort Ukraine ist alles ganz anders. Oder? Wirwerden nicht getäuscht. Oder? Es ist kein Theaterstück. PR-Agenturen sind nicht im Spiel. Endlich können wir unserem in zwei Jahren hinter den Masken aufgestauten Ärger Luft machen. Uns an den hingehaltenen Ködern abarbeiten. Auch die Parteifreunde, die jetzt SchröderBashing betreiben, können nicht anders, das ist eben Populismus.

Der Altkanzler nimmt es ihnen nicht übel und behält die Fassung. Es gehört zum Spiel. Er kennt die Regeln. Menschen in Not brauchen einfach Sündenböcke. Schwarzweiß-Denken, von
den Kurznachrichten und den Algorithmen der sozialen Medien gefördert. Alles noch einfacher als 1999. Deutschand will auch jetzt wieder mehr Verantwortung übernehmen. Während dem deutschen Mittelstand das Wasser bis zum Hals steht. Aber lasst uns weiter auf Schröder schimpfen und über seine Beziehungen, sei es mit Frauen oder Wladimir Putin, herziehen. Das ist so schön einfach. Wirklich.





Dieser Text erschien in Ausgabe N° 89 am 06. Mai 2022




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