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Chronologie der Ereignisse in Butscha

Für die westliche Presse steht der Mörder bereits jetzt fest: Die bösen Russen haben die Bürger des Kiewer Vorortes Butscha massakriert. Stimmt das? | Von Hermann Ploppa

Von Hermann Ploppa

Wir haben die entsetzlichen Bilder vor Augen: Zusammengekauerte Leichname liegen mit dem Kopf nach unten auf dem regennassen Straßenpflaster der Kiewer Vorstadt Butscha. Wir fahren mit einer Auto-Eskorte des ukrainischen Asow-Bataillons im Slalom durch ausgebrannte Straßen voller Zerstörung. Hier müssen furchtbare Straßenkämpfe getobt haben.



Aus leeren Fensterlöchern Schmauchspuren. Tatsächlich haben Regimenter der russischen Streitkräfte mit den ukrainischen Streitkräften um jedes Haus gekämpft. Doch die in den Medien gezeigten Toten auf der matschigen Straße haben mit den Kampfhandlungen nichts zu tun. Die Toten sind eindeutig Opfer einer Hinrichtung geworden. Doch wer hat sie hingerichtet?

Die Regierung der Ukraine behauptet, die Russen hätten unbeteiligte Bürger bei ihrem Rückzug ohne Notwendigkeit ermordet. Dem widerspricht die russische Regierung vehement. Russland ist so felsenfest überzeugt davon, unschuldig zu sein, dass die Putin-Regierung in dieser Angelegenheit den Weltsicherheitsrat angerufen hat. Die UNO soll den Fall untersuchen. Doch Großbritannien hat gerade den Vorsitz im Sicherheitsrat. Die Briten wollen jede Untersuchung unterbinden. Warum eigentlich? Es gibt triftige Gründe anzunehmen,
dass andere Kräfte als die russische Armee dieses Verbrechen begangen haben. Allzu genau passen die Horrorbilder in den Versuch interessierter Kreise im Westen, die Ukraine mächtig
aufzurüsten gegen Russland. Eskalation und Riesengewinne für die Rüstungskonzerne sind die Folge.

Der deutsche Kriegsgeräte-Hersteller Rheinmetall will der Ukraine jetzt Leopard-Panzer verkaufen. Und Innenministerin Nancy Faeser will Atombunker reaktivieren. Am besten, wir schauen uns einmal die zeitliche Abfolge der Ereignisse in Butscha vor und nach den Gräueltaten einmal in Ruhe an.


Mittwoch, 30. März 2022:
In der Türkei fand die Tage zuvor eine erneute Runde der Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine statt. Es kommt zu bindenden Abmachungen: Die russischen Truppen sollen sich aus dem Großraum Kiew zurückziehen. Am besagten Mittwoch hat Russland geliefert und seine Truppen vollständig und endgültig aus dem Kiewer Gebiet abgezogen. Auch in Butscha befinden sich ab Mittwoch keine russischen Besatzungstruppen mehr.


Donnerstag, 31. März:
Das bestätigt auch der Bürgermeister von Butscha. Anatoly Fedoruk erklärt in seiner Videobotschaft: Russen sind aus Butscha »verjagt«. Hier ist keine Rede von Massenexekutionen und auf den Straßen liegenden Leichnamen. Es gibt auch keine Amateurvideos oder Fotos von irgendwelchen Gräueltaten. Eigentlich wird doch jedes Ereignis von Hobbyfotografen festgehalten.


Freitag, 1. April:
Frau Ekaterina Ukraintsiva ist Mitglied des Magistrats von Butscha. Sie wendet sich in Militäruniform vor einer ukrainischen Fahne via Videobotschaft an die Bürger der Stadt: Sie erklärt, dass jetzt in der Stadt »Säuberungen« durchgeführt werden müssen. Weiter: Der Einzug des AsowBataillons bedeute keineswegs, dass die Befreiung der Stadt mit dem Abzug der Russen bereits abgeschlossen sei. Ein »kompletter Abwasch« sei jetzt vonnöten. Und solange das nicht abgeschlossen sei, wird den Bürgern strengstens untersagt, ihre Häuser zu verlassen. Die »Befreiung« Butschas wird also von einem strikten Lockdown flankiert.


Samstag, 2. April:
Reporter der New York Times erscheinen in Butscha. Als eingebettete Journalisten begleiten sie die ukrainischen Truppen der Safari-Einheit und das Asow-Bataillon auf den Streifengängen durch die Straßen von Butscha. Bei diesem eingebetteten Stadtrundgang sehen die amerikanischen Reporter zwar furchtbare Zerstörungen an Gebäuden und auf der
Straße zurückgelassenes Kriegsgerät der russischen Streitkräfte. Jedoch exekutierte Tote fallen ihnen nicht auf.


Samstag, 2. April:
Das von den USA gesponserte Gorshenin-Institute berichtet: »Spezialkräfte begannen mit einer Säuberungsaktion in der Innenstadt von Butscha in der Region Kiew, die von den Streitkräften der Ukraine befreit worden ist. Die Stadt wurde gesäubert von Saboteuren und Komplizen der russischen Streitkräfte.« Die russische Seite macht darauf aufmerksam, dass viele der Toten weiße Armbinden tragen. Das ist ein Kennzeichen, dass diese Leute mit den russischen Besatzungskräften kooperiert haben.

Danach tauchen rasch die Bilder auf, die wir kennen vom »Butscha-Massaker«. Die Toten wurden eilig bestattet. Das Interesse an einer forensischen Untersuchung der Verstorbenen hält sich auf ukrainischer sowie auf westlicher Seite in Grenzen.


Wir überlassen es unseren Lesern, Schlussfolgerungen aus den Ereignisabläufen zu ziehen.







Dieser Text erschien in Ausgabe N° 86 am 15. Apr. 2022




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