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»WIR WERDEN SEIT 15 JAHREN KATASTROPHAL SCHLECHT REGIERT«

In zwei bayerischen Landkreisen formieren sich rund 800 namhafte Unternehmen zum gemeinsamen Widerstand.

Von Sophia-Maria Antonulas

»Wir stehen zusammen« ist der Name und die gleichlautende Internetseite (wir-stehen-zusammen. com) der jüngsten Unternehmerinitiative, die sich in den bayerischen Landkreisen Rosenheim und Miesbach gegründet hat.

Es herrscht nervöse Betriebsamkeit vor der Kaffeerösterei Dinzler in Irschenberg an diesem sonnigen Samstagnachmittag. In wenigen Minuten beginnt die Versammlung, bei der über hundert unabhängige Unternehmen einen offenen Brief unterzeichnen sollen. Denn immer mehr Firmeninhaber fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.

»CORONA IST KEIN VIRUS MEHR. CORONA IST WAHLKAMPF!«

Einige Frauen und Männer stehen vor dem Eingang des modernen Gebäudes und diskutieren verhalten. »Wir wollen andere Politiker, die uns einfach unsere Arbeit machen lassen«, sagt Marco Golshani, Inhaber des Werkzeughandels GoTools. Obwohl er durch seine starke Online-Präsenz nicht so betroffen sei, sehe er, dass die Politik den Mittelstand nicht mehr vertritt. »Es fällt uns jetzt auf die Füße, dass wir seit acht Jahren nur das geringste Übel wählen«, bringt Golshani die Meinung der Herumstehenden, die heftig nicken, auf den Punkt. »Denn die Entscheidungen und Verordnungen werden immer nur für die Großen und dieIndustriegetroffen.Dasistnichterst seit der Corona-Krise so.«

Mit erstaunlich klaren und kämpferischen Worten geht es bei der eigentlichen Versammlung weiter. »Corona ist kein Virus mehr. Corona ist Wahlkampf«, so der Gründer und Geschäftsführer der Firma Bora, Willi Bruckbauer. Er habe genug von dieser »digitalen Party« und von Politikern, die »immer fetter werden« und daher »immer mehr Angst haben«. Für die 50 Grenzpendler, die in seiner Firma arbeiten, bedeuteten die Grenzschließungen »reine Schikane« und das »totale Chaos«. Unter tosendem Applaus schloss er die Eröffnungsrede: »Wir wollen unsere persönliche und unternehmerische Freiheit zurück.« Der Bürgermeister von Irschenberg, Klaus Meixner (CSU), der früher eine Zimmerei führte, kritisierte, dass die Wirtschaftskraft in Deutschland »kaputt gemacht« werde und der »soziale Friede in Gefahr« sei. Er forderte, dass alle Betriebe und Geschäfte wieder aufmachen, denn »bloß an Corona zu denken, ist zu wenig«.

»DAS LAND GEHÖRT DOCH UNS«

Als »Noch-CSU-Mitglied« beschreibt sich der Mitinitiator des Unternehmerkreises Markus Dettendorfer. Für den Inhaber einer Maschinenbaufirma ist der Brief nur ein erster Schritt, mit dem sie den Druck auf die Politiker beginnen wollen – denn »wir haben sie gewählt«. Dettendorfer hofft, dass es die benachbarten Landkreise genauso machen. Er schloss seinen Beitrag mit einer eindringlichen Forderung: »Das Land gehört doch uns, das ist unser Spielfeld. Und hier spielen andere ihr Spiel, während die Bevölkerung und Unternehmer auf der Bank sitzen und zuschauen. Das muss aufhören!« Klare Worte fand auch der Gastgeber, Franz Richter, der Vorstandvorsitzende der Dinzler Kaffeerösterei AG: »Seit 15 Jahren werden wir katastrophal schlecht regiert – seit Merkel.« Richter betonte, dass im Bund vieles im Argen liege und die »Grundrechte mit den Füßen getreten werden«. Die Hälfte der Dinzler-Belegschaft ist derzeit in Kurzarbeit. Und er bekomme Beklemmungen und habe schlaflose Nächte, bevor und nachdem er sie trifft, wie vor kurzem für ein gemeinsames Foto.

Schließlich unterschrieben am Tag der Versammlung 161 freie Unternehmer den offenen Brief an die Volksvertreter des Bayerischen Landtages. Zu den Forderungen gehören:

• Rückgabe der persönlichen und unternehmerischen Freiheit

• Eigenverantwortung und Selbstbestimmung im Umgang mit gesundheitlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Risiken

• Umgehende Wiedereröffnung aller Betriebe

• Reduzierung von staatlicher Regulierung und Rückkehr zur freien sozialen Marktwirtschaft.

Und in dem Schreiben heißt es weiter: »Wir fordern, dass die Politik in Bayern, Deutschland und Europa eine positiv gestimmte Grundhaltung annimmt. Freiheit und Selbstbestimmung muss vor Regulierung und Zwang stehen. Unsere Freiheit und unser Wohlstand stehen auf dem Spiel.« Bis Redaktionsschluss hatten bereits 785 Firmen mit mehr als 12.500 Mitarbeitern den Brief unterzeichnet. 




Dieser Text erschien in Ausgabe N° 39 am 05. März 2021




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