Interview

MASKENPFLICHT UND AUSGRENZUNG

Telefoninterview mit der 17-jährigen Schülerin Anna aus Nürnberg.

Samuel Gfrörer

DW: Du lebst in Nürnberg. Wie ist die Situation dort?
Anna: In Bayern gilt zur Zeit, wie in vielen anderen Bundesländern, Maskenpflicht im Unterricht, im Schulgebäude, auf dem Schulweg, in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Sogar im Sportunterricht. Die Regeln gelten auch für Grundschulen. Der »Rahmenhygieneplan für Schulen« erlaubt einige Ausnahmen: Während des vorgeschriebenen Lüftens und auf dem Pausenhof. Viele Schüler empfinden die Maskenpflicht an langen Schultagen als strapaziös. Aber sie stellen die Maßnahmen nicht in Frage.

Du hast ein Attest, das Dich vom Maskentragen befreit. Wie ergeht es Dir damit?
Im Klassenzimmer gilt für Schüler kein Abstandsgebot. Schüler, die von der Maskenpflicht befreit sind, müssen aber überall einen Mindestabstand zu ihren Mitschülern einhalten. Dadurch werden die »Attestkinder« systematisch ausgegrenzt.

Viele müssen ganz allein ganz hinten in der letzten Reihe, in der Ecke sitzen. Das ist vor allem für jüngere Kinder sehr schlimm. Wir müssen als allererste oder als allerletzte das Klassenzimmer betreten. Wenn Freunde zu fünft im Kreis stehen, essen oder reden und man eineinhalb oder gar zwei Meter auseinander bleiben muss, das ist nervig. Und eben auch schwierig einzuhalten. Die Gespräche sehen dann so aus: Die anderen reden, und ich muss sagen: »Geht auf Abstand.« Denn am Ende kriege ich den Ärger.

Wie gehen die anderen Kinder und Jugendlichen damit um?
Viele Kinder sind total deprimiert von der Situation, weinen viel und wollen nicht in die Schule gehen. Eine Mitschülerin hat nach dem ersten Schultag gesagt, sie habe sich gefühlt, wie im Gefängnis. Es sehen ja alle so unglücklich aus - die Augen so leer, die Masken auf. Lehrer schreien in ihrer Angst Schüler an und drohen mit Schulverweisen. Wer es gar wagt, sich gegen Masken auszusprechen, wird oft von Mitschülern gemobbt.

Aber werden die Atteste als ärztliche Urkunden anerkannt?

Vielfach werden Schüler trotz Attest zum Maskentragen genötigt. Obwohl an meiner Schule zehn bis 15 Schüler ein Attest haben, erkennt die Schule insgesamt nur zwei an.

Weil ich unter Schwindel, Kopfschmerzen und Panikattacken leide, bin ich von der Maske befreit. Aber seit ich auf Demos der Demokratiebewegung aufgetreten bin, weigert sich die Schulleitung, mein Attest anzuerkennen. Das erste Mal nach einer Demo in Nürnberg: In diesem Fall konnte ich ein neues Attest nachreichen, das wurde akzeptiert.

Wie ergeht es Dir jetzt an der Schule?
Am 7. November erschien in einer Lokalzeitung ein Artikel, in dem wohlwollend über mich und mein Engagement für die Demokratiebewegung berichtet wurde. Daraufhin erhielt ich ein Schreiben vom Schulleiter. Darin stand, dass mein Attest nicht mehr akzeptiert werde. Wenn ich ohne die Maske die Schule beträte, würde ich weggeschickt werde.. Einzig das Attest eines Amtsarztes werde akzeptiert.

Daraufhin nahm ich mir anwaltliche Hilfe. Die Schulleitung wiederum, die vom Gesundheitsamt und ängstlichen Eltern unter Druck gesetzt wurde, schickte einen Rundbrief im drastischen Tonfall an alle Eltern: Mein Attest werde nicht mehr akzeptiert. Ich habe das Gespräch mit dem Schulleiter gesucht, aber dieser versuchte, mich durch manipulative Rhetorik unter Druck zu setzen. Und letztendlich drohte er mir mit einem Schulverweis. Daraufhin habe ich einen Eilantrag gestellt, der wurde abgelehnt. 


Die Fragen stellte Samuel Gfrörer. 


Das Gespräch mit Anna erinnert an den Fall der Berufsschülerin Maria, über den wir in DW N°17 (29.8.) berichteten. Maria hat inzwischen ihre Ausbildung abgebrochen, weil die Schule ihr trotz Attest die Teilnahme am Unterricht ohne Maske verweigert. 




Dieser Text erschien in Ausgabe N° 29




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